Was ist GMP
GMP (Good Manufacturing Practice) ist ein international etabliertes Regelwerk, das die Qualitätsanforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln, Wirkstoffen und teilweise auch Medizinprodukten definiert. GMP ist kein Standard, den man „wählt” — er ist die regulatorische Voraussetzung, um diese Produkte überhaupt in den Markt bringen zu dürfen.
In der Schweiz und EU gilt der EU-GMP-Leitfaden (Annex 1 bis 22), in den USA die cGMP-Regelung der FDA (Title 21 CFR Parts 210, 211, 600), für Wirkstoffe global ICH Q7. Die deutsche Übersetzung „Gute Herstellungspraxis” verwendet in der Praxis kaum jemand — Praktiker sagen GMP.
GMP ruht auf wenigen Grundprinzipien, die ein ganzes Produktionssystem prägen:
- Qualität wird hergestellt, nicht herausgeprüft — Stabilität der Prozesse, nicht Endkontrolle
- Alles dokumentiert, alles rückverfolgbar — was nicht aufgeschrieben ist, ist nicht passiert
- Validierte Prozesse und Anlagen — Änderungen brauchen formale Change-Control
- Qualifiziertes Personal mit dokumentierter Schulung
- Ausgeschlossene Kreuzkontamination über räumliche und prozessuale Trennung
Diese Prinzipien sind regulatorisch bindend und werden über regelmässige Inspektionen von Swissmedic, EMA und FDA überprüft.
Schweizer Praxis-Kontext
Die Schweiz ist einer der weltweit dichtesten Pharma- und Biotech-Standorte. Roche, Novartis, Lonza, CSL Behring sowie eine grosse Zahl spezialisierter Lohnhersteller und Zulieferer arbeiten in einem hochregulierten Umfeld. Swissmedic akzeptiert EU-GMP, FDA-Inspektionen sind für Exportbetriebe ebenso relevant.
Lean Management in einem GMP-Umfeld ist etwas anderes als in einem klassischen Maschinenbau-Werk. Drei Realitäten prägen die Praxis:
- Jede Änderung ist Change-Control-pflichtig — eine „schnelle Kaizen-Massnahme” gibt es nicht; selbst Beschriftungs-Änderungen können validierungspflichtig sein
- Reinigungs- und Umrüst-Zyklen sind oft länger als die eigentliche Produktion und nicht beliebig verkürzbar
- Dokumentation ist Teil der Wertschöpfung — das Batch Record ist nicht Verschwendung, sondern Produktbestandteil
Wer Lean in einem GMP-Betrieb ohne dieses Verständnis einführt, beschädigt Compliance und verliert die Mannschaft.
Anwendung in der Praxis
Lean und GMP widersprechen sich nicht — aber sie verlangen Praktiker mit beidseitiger Erfahrung. Vier Felder, in denen Lean in GMP-Umgebungen besonders gut funktioniert:
- 5S in GMP-Räumen — strenge Standards für Sauberkeit und Ordnung passen ohnehin zum Regelwerk
- Shopfloor Management in der Produktion — visuelle Kennzahlen, tägliche Stand-ups, Eskalations-Logik
- OEE und Anlagenverfügbarkeit — Pharma-Anlagen sind teuer, jede gewonnene Verfügbarkeit zahlt sich aus
- Kürzere Freigabezyklen über Lean in QC und QA — meist der grösste Lead-Time-Hebel im ganzen Wertstrom
Wir warnen ausdrücklich davor, Standard-Lean-Vorgehen ungefiltert in GMP-Betriebe zu importieren. SMED-Workshops mit drastischer Rüstzeit-Reduktion sind grossartig — bis jemand merkt, dass die „gewonnene Zeit” eine validierte Reinigung war.
Wann sinnvoll, wann nicht
Lean in GMP-Kontexten ist sinnvoll, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Beratungsteam mit GMP-Erfahrung — nicht „wir haben mal eine Pharma gemacht”, sondern aktive Praxis
- QA-Funktion ist eingebunden — alle Vorhaben werden mit Quality Assurance entwickelt, nicht gegen sie
- Ziele werden im regulatorischen Rahmen formuliert — z. B. „Freigabezeit von 14 auf 7 Tage reduzieren, ohne Compliance zu reduzieren”
Nicht sinnvoll ist Lean in akuten Compliance-Krisen (z. B. nach einem FDA Warning Letter) — hier braucht es zuerst Remediation, dann Optimierung.
Verwandte Begriffe
- ISO 13485 — Pendant für Medizinprodukte
- Lean Management — die Methodik, die GMP-konform eingeführt werden muss
- Shopfloor Management — funktioniert auch in GMP-Räumen
- Operational Excellence — strategische Steuerung in Pharma-Konzernen
- Wertstromanalyse — VSM in GMP-Wertströmen ist besonders ergiebig
Für Lean-Programme in GMP-Umgebungen vermitteln wir Praktiker mit Pharma- und Biotech-Erfahrung über Lean in MedTech und Pharma. Wir setzen niemanden ein, der nicht beides versteht.